Das Wichtigste in Kürze
- Die ISO 9001 schreibt kein Format vor. Arbeitsanweisungen dürfen Text, Grafik oder Video sein, auch eine Handyaufnahme vom Arbeitsplatz.
- Entscheidend ist die gültige Fassung. Beschäftigte müssen stets mit dem korrekten Dokument arbeiten, gleich in welchem Medium.
- Die meisten Arbeitsanweisungen scheitern nicht im Audit, sondern im Alltag. Zu formell, veraltet, schwer zu finden: Was erstellt, aber nicht genutzt wird, ist Verschwendung.
- In der Fertigung kann das Management nicht allein dokumentieren. Wer die Anlage kennt, muss beitragen. Eine Aufnahme senkt die Schwelle dafür.
- Im Audit zählen Freigabe, Stand und Auffindbarkeit. Diese drei Fragen gelten für ein Video genauso wie für ein PDF.
Kaum ein Dokument hat im Qualitätsmanagement einen so schlechten Ruf wie die Arbeitsanweisung. Sie gilt als formell, als lästig in der Pflege und als etwas, das eher für das Audit geschrieben wird als für die Menschen an der Maschine. Gleichzeitig steckt die naheliegendste Form der Anleitung heute in jeder Jackentasche: die Handykamera.
Für Qualitätsverantwortliche stellt sich damit eine praktische Frage: Darf eine Arbeitsanweisung ein Video sein, und wenn ja, wie besteht sie im Audit?
Die Norm schreibt kein Format vor
Die kurze Antwort lautet: ja. Der QM-Berater Stephan Joseph, der Unternehmen auf die Zertifizierung nach ISO 9001 vorbereitet, formuliert es in seinem Beitrag „Die Arbeitsanweisung" unmissverständlich:
„Die ISO 9001 gibt kein Medium oder Format vor. Daher sollten hilfreiche Arbeitsanweisungen in einer Form bereitgestellt werden, die von den Mitarbeiter*innen schnell gefunden und genutzt werden kann. Das können auch etwa Videos sein (Screenrecording, Handyaufnahmen, …)."
Stephan JosephBerater, Trainer und Autor, Joseph BeratungQuelle: Joseph Beratung, „Die Arbeitsanweisung"Zum selben Schluss kommt der Leitfaden zur Prozessdokumentation der Beratung Büro-Kaizen: Die Norm schreibe „keine genaue Dokumentationsart oder -methode vor", eine Prozessbeschreibung könne schriftlich ebenso wie grafisch erfolgen. Welche Form passt, hänge vom Einzelfall ab.
Was die Norm dagegen verlangt, ist der Zweck. Herr Joseph zitiert dazu Abschnitt 4.4.2 der ISO 9001:2015: Die Organisation muss „in erforderlichem Umfang dokumentierte Informationen aufrechterhalten, um die Durchführung ihrer Prozesse zu unterstützen". Unterstützen ist das entscheidende Wort. Eine Anweisung, die niemand öffnet, unterstützt nichts.
Warum Arbeitsanweisungen im Alltag scheitern
Herr Joseph nennt fünf Gründe für den schlechten Ruf der Arbeitsanweisung: einen abschreckend formellen Aufbau, Fachausdrücke statt der Sprache der Beschäftigten, veraltete Inhalte, in die kein Feedback einfließt, schlechte Auffindbarkeit und die formelle Abfrage im Audit.
Keiner dieser Gründe hat mit dem Medium zu tun. Ein Video kann genauso veraltet und unauffindbar sein wie ein PDF. Es senkt aber zwei Hürden, an denen schriftliche Anweisungen besonders oft scheitern: Es zeigt den Handgriff, statt ihn in Normsprache zu beschreiben, und es entsteht dort, wo die Arbeit passiert.
„Letztlich gilt: Alles, was erstellt, aber nicht genutzt wird, ist Verschwendung. Und Verschwendung spricht nicht für sinnvolle Qualität."
Stephan JosephBerater, Trainer und Autor, Joseph BeratungQuelle: Joseph Beratung, „Die Arbeitsanweisung"Wer die Anweisung schreibt und wer sie schreiben müsste
Büro-Kaizen weist auf eine Grenze hin, die in Produktionsbetrieben schnell erreicht ist: In Hallen mit Taktstraßen könne das Management die Prozessdokumentation nicht mehr vollständig allein erstellen, dort müssten auch Maschinenbauer und Ingenieure ihren fachlich-technischen Teil beitragen.
Genau an dieser Stelle hakt es in der Praxis. Wer eine Anlage am besten kennt, hat selten Zeit, Formatvorlagen zu füllen. Eine Aufnahme kostet dagegen kaum mehr Zeit als der Arbeitsschritt selbst. So wird die Person, die den Handgriff beherrscht, auch zur Person, die ihn dokumentiert, ohne Umweg über jemanden, der ihn nur beschreiben kann.
„Was nutzt eine gute Prozessdokumentation, wenn niemand hineinschaut, um Schlüsse daraus zu ziehen und die Abläufe zu verbessern? Oder selbstständig seine Aufgaben daraus abzuleiten?"
Büro-KaizenLeitfaden ProzessdokumentationQuelle: Büro-Kaizen, „Prozessdokumentation: Aufbau, Inhalte, Tools & Video-Anleitung!"Auf diesen Weg sind Werkzeuge wie Clypp ausgelegt: Der Arbeitsschritt wird aufgenommen, während er ohnehin ausgeführt wird, und daraus entsteht ein Video mit schriftlicher Schrittfolge und Vertonung. Ändert sich der Ablauf, wird der betroffene Schritt neu aufgenommen, statt ein Dokument zu überarbeiten. Ob das im Audit trägt, entscheidet allerdings nicht das Werkzeug, sondern die Lenkung dahinter.
Was im Audit zählt: drei Fragen an jede Video-Arbeitsanweisung
Beim Medium lässt die Norm freie Hand, bei der Lenkung nicht. Herr Joseph fasst die Anforderung in einem Satz zusammen: Es müsse sichergestellt sein, „dass Mitarbeiter*innen stets mit den korrekten Dokumenten arbeiten". Für ein Video heißt das praktisch:
Drei Fragen, die im Audit gestellt werden können
Ist die Fassung freigegeben? Wer hat das Video fachlich geprüft und für den Einsatz freigegeben, und lässt sich das nachvollziehen?
Ist sie aktuell? Ändert sich der Prozess, muss die Aufnahme ersetzt werden. Die alte Fassung darf dann nicht mehr im Umlauf sein.
Ist sie auffindbar? Die Anweisung muss dort abrufbar sein, wo die Frage entsteht: am Arbeitsplatz, nicht nur im QM-Handbuch.
Büro-Kaizen beschreibt, wohin das führen soll: Erfolgte Änderungen müssten erneut dokumentiert werden, denn „auf diese Weise wird die Prozessdokumentation selbst zu einem lebenden Prozess". Bei Video kann genau das ein Vorteil sein. Statt ein Dokument zu überarbeiten, wird der geänderte Schritt neu aufgenommen.
Welche Inhalte eine Arbeitsanweisung grundsätzlich braucht und was die neue ISO 9001:2026 für die Prozessdokumentation ändert, beschreiben wir in eigenen Beiträgen.
Häufige Fragen zu Video-Arbeitsanweisungen
Ist eine Video-Arbeitsanweisung nach ISO 9001 zulässig?
Ja. Die Norm gibt weder Medium noch Format vor. Maßgeblich ist, dass die dokumentierte Information die Durchführung der Prozesse unterstützt und die Beschäftigten mit der gültigen Fassung arbeiten.
Braucht es zusätzlich eine schriftliche Fassung?
Die Norm verlangt das nicht. Sinnvoll kann ein kurzer Text trotzdem sein, etwa für Prüfmerkmale, Grenzwerte oder Sicherheitshinweise, die man nachlesen können muss. Oft ist deshalb eine Kombination aus Video und kurzem Text die praktischste Lösung.
Wie wird ein Video zu einer gelenkten Information?
Durch dieselben Regeln wie bei jedem Dokument: eine nachvollziehbare Freigabe, eine eindeutige Fassung mit Stand, eine verantwortliche Person und eine Ablage, aus der veraltete Versionen verschwinden.
Wer sollte Video-Arbeitsanweisungen erstellen?
Die Person, die den Arbeitsschritt am besten beherrscht. Qualitätsmanagement und Fachvorgesetzte prüfen und geben frei. Die Aufnahme selbst sollte nicht bei jemandem liegen, der den Handgriff nur beschreiben kann.
Wie oft muss eine Video-Arbeitsanweisung aktualisiert werden?
Immer dann, wenn sich der Prozess ändert. Ein fester Überprüfungstermin hilft, schleichende Abweichungen zu erkennen, bevor sie im Audit auffallen.
Die Norm verlangt keine Form, sondern Wirkung: Anweisungen, die gefunden, verstanden und aktuell gehalten werden. Am ehesten gelingt das, wenn die Anweisung dort entsteht, wo die Arbeit passiert, und ihre Pflege nicht mehr Aufwand macht als der Handgriff selbst. Genau dafür ist Clypp gebaut.
Eine Arbeitsanweisung, die niemand öffnet, besteht kein Audit.
Die Norm lässt jedes Format zu, aber sie fragt nach Wirkung. Mit Clypp nimmt die Person, die den Handgriff beherrscht, ihn einmal auf. Daraus entsteht eine Video-Anweisung mit schriftlicher Schrittfolge, die dort abrufbar ist, wo die Frage entsteht, und die bei einer Prozessänderung neu aufgenommen statt überarbeitet wird.
- Aufgenommen an der Anlage: von der Person, die den Schritt beherrscht.
- Gezeigt statt formuliert: auf Wunsch in über 100 Sprachen, ohne zweiten Dreh.
- Einbettbar in Teams, LMS oder Wiki: dort, wo die Frage entsteht.
Clypp ist eine Softwareplattform aus Deutschland für Video-Arbeitsanweisungen. Im Einsatz unter anderem bei RATIONAL, Rosenberger und Elementar.
Die zitierten Fachleute
Stephan Joseph
Berater, Trainer und Autor, Joseph Beratung
Der Diplom-Ingenieur (FH) begleitet Unternehmen zur Zertifizierung nach ISO 9001 und baut QM-Systeme mit SharePoint und Microsoft 365 auf. Er ist Autor des Buchs „Wieso ISO? Über Sinn und Unsinn bei Zertifizierungen nach ISO 9001 und co." (2017) und bietet seit 2020 über die Lev-Akademie Online-Lehrgänge zum Qualitätsmanagement an.
Büro-Kaizen
Beratung für Büro- und Prozessorganisation
Büro-Kaizen wurde von Jürgen Kurz gegründet und steht seit rund 25 Jahren für Effizienzsteigerung im Büro. Kurz ist unter anderem Autor des Buchs „So geht Büro heute!".
Quellen
- Stephan Joseph, Joseph Beratung, „Die Arbeitsanweisung", 21.12.2022, aktualisiert 02.12.2023. Enthält das Zitat aus ISO 9001:2015, Abschnitt 4.4.2.
- Büro-Kaizen, „Prozessdokumentation: Aufbau, Inhalte, Tools & Video-Anleitung!", 27.08.2024, aktualisiert 14.07.2026.
Entwurf, Stand 29. September 2026. Alle Zitate wurden an der Originalquelle geprüft.

